30 Jahre Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei in Leipzig - 30 Jahre Mauerfall in Berlin

Ortsverein


Mitgliedsbuch der SDP

In der kürzlich stattgefundenen Sitzung des Ortsvereins standen unter anderem der 30. Jahrestag der Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei in Leipzig am 7. November und der zwei Tage später folgende Mauerfall in Berlin am 9. November auf der Tagesordnung. In der Diskussion zum Mauerfall wurden die Auswirkungen auf die darauffolgenden gravierenden politischen Umbrüche in ganz Europa gewürdigt.

Im Vordergrund stand allerdings die Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei in Leipzig, weil wir ein Gründungsmitglied in unseren Reihen haben, das uns als Zeitzeuge aus dieser spannenden Zeit berichtete:

Unser Ortsvereinsmitglied Hans-Heinrich Deicke – im Jahre 1989 noch Leipziger und seit September fleißiger Montagsdemonstrant – wollte sich aktiv in die Protestbewegung in der DDR einbringen. Deshalb wollte er Mitglied im „Neuen Forum“ werden, das sich am 8. Oktober in der Leipziger Michaeliskirche gründete. Am 7. Oktober erfuhr er dann aus dem Westfernsehen, dass sich in Schwante bei Berlin die „Sozialdemokratische Partei in der DDR“ (SDP) gegründet hatte. Spontan beschloss er nun, als langjähriger Anhänger der SPD in der Bundesrepublik und großer Verehrer von Willi Brandt, zu warten, bis die SDP nach Leipzig kommt. Dort wollte er dann Mitglied werden.

Am Dienstag dem 7. November 1989 war es dann endlich soweit: In der Leipziger Reformierten Kirche fand am Abend unter den wachsamen Augen der Stasi die Gründungsversammlung der SDP statt. Mitten hinein platzte unter dem frenetischen Jubel der Anwesenden die Nachricht, dass der Ministerrat der DDR zurückgetreten ist.

Am Ende verließ er die Versammlung mit stolzgeschwellter Brust als frischgebackenes Mitglied der SDP. Zwei Tage später, am Donnerstag dem 9. November fand dann im Pfarrhaus in Leipzig-Thekla die Gründungsversammlung des SDP-Ortsvereins „Leipzig-Nordost“ statt. Als er von dieser Versammlung gegen 22 Uhr nach Hause kam, empfing ihn seine Frau Liane mit den Worten: „Eh, Du, die haben in Berlin die Mauer aufgemacht!“ Er reagierte auf einen solchen „Witz“ mit einem mitleidigen „Ja, Ja“. Nach der Bestätigung des „Witzes“ durch das Westfernsehen guckten sich dann beide bis in die späte Nacht die Augen „viereckig“.

Seine erste Aktion als SDP-Mitglied war dann „unverzüglich“ die Einberufung eines „Runden Tisches“ im Leipziger Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR, in dem er als Ingenieur für Radiochemie beschäftigt war. Dieser Runde Tisch organisierte zunächst die Ablösung von Institutsleitung und SED-Parteisekretär sowie in geheimer Abstimmung die Befragung der Belegschaft. ob die Leitungskader noch ihr Vertrauen haben. Das war dann auch der Beginn seines langjährigen politischen Engagements.

Am 7. November 2019 nahm er an der Festveranstaltung „30 Jahre Wiedergründung der SPD Leipzig“ in der Reformierten Kirche Leipzig teil, in der die Gründungsmitglieder für 30 Jahre Mitgliedschaft in der SPD geehrt wurden.

Dazu sagte er:

„Ohne die machtvolle Leipziger Montagsdemo am 9. Oktober und den Fall der Berliner Mauer am 9. November wäre es nicht zur Einheit Deutschlands gekommen, gäbe es auch unseren Krostitzer Ortsverein nicht. Ich muss zugeben, ein klein bisschen stolz bin ich darauf, dass ich damals meine Angst überwunden habe und als kleines Rädchen ein wenig dazu beigetragen habe. Besonders gefreut habe ich mich aber, dass aus Anlass meiner 30 Jahre Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei mein Ortsverein mir als glühenden Willi-Brandt-Verehrer eine Zwei-DM-Münze aus dem Jahre 2001 mit seinem Konterfei überreicht hat.“

 

Ein Video zur Gründung der SDP findet sich unter folgendem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=cLz1WXGXWGU