Volkstrauertag 2019 in Krostitz

Kommunales

Auch in diesem Jahr haben wieder Mitglieder des Ortsvereins am Denkmal auf dem Friedhof in Krostitz der Gefallenen der beiden Weltkriege mit einem Grabgebinde gedacht.

Vor den versammelten Teilnehmern der Gedenkveranstaltung trug der stellvertretende Vorsitzender Dirk Schneider mit folgendem Redebeitrag die Gedanken der Ortsvereinsmitglieder vor:

„Gemeinsam wollen wir heute wieder der Opfer der beiden Weltkriege gedenken. Millionen Männer, Frauen und Kinder mussten völlig sinnlos ihr Leben lassen. Viele verwundete Soldaten starben auch noch nach Kriegsende an ihren schweren Verletzungen. Ebenso waren die Opferzahlen in der Zivilbevölkerung enorm, verursacht nicht nur durch Kriegshandlungen, sondern auch durch Hunger und Krankheiten.

Der heutige Volkstrauertag ist ein besonderer Gedenktag: Vor 100 Jahren wurde der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gegründet.  Als international vernetzte humanitäre Organisation widmet sich der Volksbund nicht nur der Ermittlung, dem Erhalt und der Pflege der deutschen Kriegsgräber im Ausland, sondern auch der Bildungsarbeit zum Thema „Frieden in ganz Europa“.

Neben diesem symbolträchtigen Jubiläum überschattet ein anderes Ereignis den Volkstrauertag, welches das friedliche Zusammenleben in unserer Region und im ganzen Land schwer erschüttert hat: der Anschlag in Halle (Saale) am 9. Oktober 2019. Ein Rechtsextremist versuchte am Jom Kippur, dem höchsten Feiertag der jüdischen Religion, einen Massenmord in einer Synagoge in Halle durchzuführen. Auf seiner Flucht tötete er zwei Menschen und verletzte zwei weitere Personen. Zudem übertrug der Täter sein Vorgehen live ins Internet, um seine antisemitische Motivation und seine Tat in der Weltöffentlichkeit zu verbreiten. Der Schock über diese Tat sitzt noch tief und zeigt uns leider auf dramatische Weise, wie zerbrechlich der Frieden in unserer Gesellschaft ist.

Nach Hetze auf Flüchtlinge seit dem Jahr 2014, dem Erstarken von rechtspopulistischen Parteien und Gruppierungen sowie Ausschreitungen in Chemnitz und Köthen im Jahre 2018 haben Hass und Gewalt gegen Menschen mit anderem Aussehen, anderer Religion, anderer Herkunft oder auch anderer Meinung eine neue grausame Eskalationsstufe erreicht.

Umso wichtiger ist es in den nächsten Tagen, Monaten und Jahren, dass jede Bürgerin und jeder Bürger Solidarität und Toleranz als Grundwerte unserer Demokratie aktiv lebt und sich gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt einsetzt. Im Neuen Theater Halle wird derzeit nach jeder Vorstellung von den Schauspielern ein Statement vorgetragen. Darin wird explizit eingefordert, dass nach dem Anschlag auf unser friedliches Zusammenleben - und als solcher ist die Tat vom 9.Oktober 2019 zu werten - jeder Haltung bewahren und zeigen muss. Daher muss jede einzelne Bürgerin und jeder einzelne Bürger in seinem privaten und beruflichen Umfeld gegen rassistische Äußerungen, Vorurteile und Taten couragiert vorgehen, um Hetze und Gewalt zu verhindern.

In diesem Sinne ergibt sich als dauerhafte Aufgabe für eine friedliche Zukunft das aktive Bewahren und Leben von Solidarität und Toleranz gegenüber allen Mitmenschen unserer Gesellschaft. Ich möchte die Rede mit einem Zitat aus Johann Wolfgang Goethes „Faust, Zweiter Teil“ schließen:

„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,

Der täglich sie erobern muss.“